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Die wichtigsten Verträge direkt nach der Gründung

Die Gründung ist geschafft. Die Gesellschaft ist im Handelsregister eingetragen, die Geschäftsidee steht und die ersten Kunden sollen gewonnen werden.

Viele Gründer konzentrieren sich in dieser Phase verständlicherweise auf Vertrieb, Marketing und Produktentwicklung. Rechtliche Grundlagen werden dagegen häufig auf später verschoben. Genau das kann jedoch teuer werden.

Denn zahlreiche rechtliche Konflikte entstehen nicht wegen einer schlechten Geschäftsidee, sondern wegen fehlender oder unzureichender Verträge. Welche Verträge junge Unternehmen unmittelbar nach der Gründung benötigen und worauf dabei zu achten ist, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Inhalt:

  1. Der Gesellschaftsvertrag als Fundament des Unternehmens
  2. Die Gesellschaftervereinbarung (Shareholders Agreement)
  3. Der Geschäftsführervertrag
  4. Die Geheimhaltungsvereinbarung (NDA)
  5. Der Freelancervertrag
  6. Arbeitsverträge für die ersten Mitarbeiter
  7. Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB)
  8. Verträge mit Kunden und Auftraggebern
  9. IT- und Softwareverträge

1. Der Gesellschaftsvertrag als Fundament des Unternehmens

Der Gesellschaftsvertrag regelt die Zusammenarbeit der Gesellschafter und bildet die rechtliche Grundlage des Unternehmens. Insbesondere bei mehreren Gründern sollte der Vertrag nicht lediglich aus einer Mustervorlage bestehen. Wichtige Regelungspunkte sind unter anderem:

Verträge für Startups
  • Stimmrechte
  • Gewinnverteilung
  • Geschäftsführung und Vertretung
  • Wettbewerbsverbote
  • Einziehung von Geschäftsanteilen
  • Ausscheiden von Gesellschaftern
  • Nachfolgeregelungen

Gerade bei Start-ups zeigt sich häufig erst nach einigen Monaten, dass die Vorstellungen der Gründer auseinandergehen. Ein durchdachter Gesellschaftsvertrag kann spätere Konflikte erheblich reduzieren.

2. Die Gesellschaftervereinbarung (Shareholders Agreement)

Viele Gründer gehen davon aus, dass der Gesellschaftsvertrag sämtliche Themen regelt. In der Praxis empfiehlt sich jedoch häufig zusätzlich eine Gesellschaftervereinbarung.

Darin können beispielsweise folgende Punkte geregelt werden:

  • Vesting und Reverse Vesting
  • Mitverkaufsrechte (Tag Along)
  • Mitziehrechte (Drag Along)
  • Entscheidungsprozesse
  • Exit-Szenarien
  • Investorenrechte

Insbesondere bei wachstumsorientierten Unternehmen sollte frühzeitig geklärt werden, was passiert, wenn ein Gründer das Unternehmen verlässt oder neue Investoren einsteigen.

3. Der Geschäftsführervertrag

Wird ein Gesellschafter zugleich Geschäftsführer, sollte dessen Tätigkeit nicht ausschließlich mündlich geregelt werden.

Ein Geschäftsführervertrag schafft Klarheit über:

  • Vergütung
  • Bonusregelungen
  • Urlaubsanspruch
  • Wettbewerbsverbote
  • Verschwiegenheitspflichten
  • Haftungsfragen
  • Kündigungsfristen

Fehlt eine vertragliche Regelung, entstehen häufig Unsicherheiten über Rechte und Pflichten des Geschäftsführers.

4. Die Geheimhaltungsvereinbarung (NDA)

Vor allem junge Unternehmen sprechen früh mit potenziellen Investoren, Dienstleistern, Entwicklern oder Kooperationspartnern.

Dabei werden oftmals sensible Informationen offengelegt:

  • Geschäftsmodelle
  • Marketingstrategien
  • Kundendaten
  • technische Entwicklungen
  • Softwarekonzepte

Eine Geheimhaltungsvereinbarung (Non Disclosure Agreement – NDA) hilft dabei, vertrauliche Informationen rechtlich zu schützen und klare Regeln für deren Nutzung festzulegen.

5. Der Freelancervertrag

Viele Start-ups arbeiten zunächst mit Freelancern statt mit fest angestellten Mitarbeitern.

Typische Beispiele sind:

  • Webdesigner
  • Entwickler
  • Social-Media-Manager
  • Marketingexperten
  • Texter
Verträge für Gründer

Ein professioneller Freelancervertrag sollte insbesondere regeln:

  • Leistungsumfang
  • Vergütung
  • Nutzungsrechte
  • Vertraulichkeit
  • Haftung
  • Kündigungsmöglichkeiten

Besonders wichtig ist die Regelung der Nutzungsrechte. Ohne ausdrückliche Vereinbarung verbleiben Urheberrechte häufig beim Freelancer.

6. Arbeitsverträge für die ersten Mitarbeiter

Sobald die ersten Mitarbeiter eingestellt werden, sollten rechtssichere Arbeitsverträge verwendet werden.

Hierzu gehören beispielsweise Regelungen zu:

  • Arbeitszeit
  • Homeoffice
  • Überstunden
  • Bonuszahlungen
  • Datenschutz
  • Wettbewerbsverboten
  • geistigem Eigentum

Fehlerhafte Arbeitsverträge können später erhebliche arbeitsrechtliche Risiken verursachen.

7. Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB)

Nicht jedes Unternehmen benötigt zwingend AGB. Werden jedoch regelmäßig gleichartige Leistungen oder Produkte angeboten, können AGB erhebliche Vorteile bieten.

Durch rechtssichere AGB lassen sich unter anderem Regelungen treffen zu:

  • Zahlungsbedingungen
  • Haftungsbeschränkungen
  • Gewährleistung
  • Vertragslaufzeiten
  • Kündigungsfristen

Dabei müssen AGB sorgfältig formuliert werden. Unwirksame Klauseln bieten häufig keine rechtliche Sicherheit.

8. Verträge mit Kunden und Auftraggebern

Viele Gründer arbeiten anfangs auf Basis kurzer E-Mails oder mündlicher Absprachen.

Das kann problematisch werden.

Gerade bei größeren Projekten sollten individuelle Verträge geschlossen werden, die insbesondere folgende Punkte regeln:

  • Leistungsumfang
  • Termine
  • Vergütung
  • Änderungswünsche
  • Abnahme
  • Haftung
  • Nutzungsrechte

Ein sauberer Vertrag schafft Klarheit auf beiden Seiten und reduziert das Risiko späterer Streitigkeiten.

9. IT- und Softwareverträge

Digitale Geschäftsmodelle benötigen häufig spezielle Vertragswerke.

Dazu zählen insbesondere:

  • Softwareentwicklungsverträge
  • SaaS-Verträge
  • Lizenzverträge
  • Wartungsverträge
  • Auftragsverarbeitungsverträge (AVV)

Gerade im IT-Bereich führen unklare Regelungen zu Nutzungsrechten, Haftung oder Datenschutz regelmäßig zu kostspieligen Auseinandersetzungen.

Fazit

Die ersten Monate nach der Gründung entscheiden häufig über den langfristigen Erfolg eines Unternehmens. Neben Produktentwicklung und Vertrieb sollten Gründer deshalb auch die rechtlichen Grundlagen ihres Unternehmens nicht vernachlässigen.

Wer frühzeitig auf rechtssichere Vertragsgestaltung setzt, reduziert Risiken, schafft klare Strukturen und vermeidet viele Konflikte, bevor sie überhaupt entstehen.

Was sind die wichtigsten Verträge nach der Gründung eines Unternehmens?

Zu den wichtigsten Verträgen gehören insbesondere der Gesellschaftsvertrag, eine Gesellschaftervereinbarung, Geschäftsführerverträge, Geheimhaltungsvereinbarungen (NDA), Freelancerverträge, Arbeitsverträge, AGB sowie Kunden- und Dienstleistungsverträge.

 

Benötigt jedes Start-up einen Gesellschaftsvertrag?

Ja. Bei einer GmbH oder UG ist ein Gesellschaftsvertrag gesetzlich vorgeschrieben. Er regelt unter anderem die Beteiligungsverhältnisse, Stimmrechte und die Geschäftsführung.

 

Was ist der Unterschied zwischen einem Gesellschaftsvertrag und einer Gesellschaftervereinbarung?

Der Gesellschaftsvertrag regelt die grundlegenden gesellschaftsrechtlichen Beziehungen. Eine Gesellschaftervereinbarung enthält häufig zusätzliche Regelungen, beispielsweise zu Vesting, Exit-Szenarien, Investorenrechten oder Wettbewerbsverboten.

 

Wann sollte ein Geschäftsführervertrag abgeschlossen werden?

Ein Geschäftsführervertrag sollte möglichst vor Aufnahme der Tätigkeit abgeschlossen werden. Er regelt insbesondere Vergütung, Aufgaben, Haftung, Urlaub und Kündigungsfristen.

 

Brauchen Gründer eine Geheimhaltungsvereinbarung (NDA)?

Eine Geheimhaltungsvereinbarung empfiehlt sich immer dann, wenn vertrauliche Informationen mit potenziellen Geschäftspartnern, Investoren, Freelancern oder Dienstleistern geteilt werden.

Warum ist ein Freelancervertrag wichtig?

Ein Freelancervertrag schafft Klarheit über Leistungsumfang, Vergütung, Nutzungsrechte, Vertraulichkeit und Haftung. Besonders wichtig ist die Regelung der Urheber- und Nutzungsrechte an Arbeitsergebnissen.

Wann benötigt ein Unternehmen Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB)?

AGB sind sinnvoll, wenn regelmäßig gleichartige Leistungen oder Produkte angeboten werden. Sie können Abläufe vereinfachen und rechtliche Risiken reduzieren.

Können Musterverträge aus dem Internet verwendet werden?

Musterverträge können als Orientierung dienen. Sie berücksichtigen jedoch häufig nicht die Besonderheiten des konkreten Geschäftsmodells und enthalten teilweise veraltete oder unwirksame Klauseln.

 

Welche Verträge benötigen IT- und Softwareunternehmen?

IT-Unternehmen benötigen häufig spezielle Verträge wie Softwareentwicklungsverträge, SaaS-Verträge, Lizenzverträge, Wartungsverträge und Auftragsverarbeitungsverträge (AVV).

 

Was kostet die anwaltliche Erstellung eines Vertrags?

Die Kosten hängen von Komplexität, Vertragsart und individuellem Beratungsbedarf ab. Die Investition in eine professionelle Vertragsgestaltung ist häufig deutlich günstiger als die spätere Beilegung von Vertragsstreitigkeiten.

 

Wann sollte ein Vertrag anwaltlich geprüft werden?

Eine anwaltliche Prüfung empfiehlt sich insbesondere vor dem Abschluss langfristiger Verträge, bei hohen wirtschaftlichen Risiken oder wenn individuelle Vertragsklauseln verhandelt werden sollen.

 

Welche Risiken bestehen ohne schriftliche Verträge?

Fehlende oder unklare Verträge führen häufig zu Streitigkeiten über Leistungen, Vergütung, Haftung, Kündigungsmöglichkeiten oder Nutzungsrechte. Schriftliche Vereinbarungen schaffen Rechtssicherheit für alle Beteiligten.

 

Rechtsanwalt Florian Ziegler
Beitrag von
Florian Ziegler, Rechtsanwalt
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