Sie haben eine Kündigung erhalten? Dann zählt jetzt vor allem eines: die Frist. Wer die Kündigung nicht hinnehmen will, muss innerhalb von drei Wochen ab Zugang Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht erheben (§ 4 KSchG). Alles Weitere lässt sich in dieser Zeit klären. Die folgenden sieben Schritte helfen, nichts Wichtiges zu übersehen.
Zugangstag feststellen
Die Drei-Wochen-Frist beginnt nicht mit dem Datum auf dem Schreiben, sondern mit dem Tag, an dem die Kündigung Ihnen zugegangen ist – bei persönlicher Übergabe sofort, bei Einwurf in den Briefkasten an dem Tag, an dem mit der Leerung zu rechnen war. Notieren Sie Datum und Umstände des Zugangs und bewahren Sie den Umschlag auf. Im Streit über den Zugang trägt der Arbeitgeber die Beweislast, aber Ihre eigene Dokumentation hilft, die Frist sicher zu berechnen.
Kündigungsschreiben sichern
Bewahren Sie das Original auf und fertigen Sie eine Kopie. Prüfen Sie: Ist die Kündigung auf Papier mit Originalunterschrift erklärt (§ 623 BGB – E-Mail, Messenger oder Scan genügen nicht)? Wer hat unterschrieben, und war diese Person kündigungsberechtigt? Zu welchem Termin wird gekündigt, ordentlich oder fristlos? Unterschreiben Sie nichts, was Ihnen zusammen mit der Kündigung vorgelegt wird – insbesondere keinen Aufhebungsvertrag und keine Ausgleichsquittung.
Arbeitsvertrag und Tarifvertrag prüfen
Aus Arbeitsvertrag, anwendbarem Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung ergeben sich die Kündigungsfrist, ein etwaiger Ausschluss der ordentlichen Kündigung und Regelungen zu Resturlaub, Bonus oder Freistellung. Vergleichen Sie die im Schreiben genannte Frist mit § 622 BGB und den vertraglichen oder tariflichen Vorgaben. Was im Vertrag steht, entscheidet auch über die Ansprüche, die mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses abzurechnen sind – dazu unsere Seite Arbeitsvertrag prüfen.
Sonderkündigungsschutz prüfen
Für bestimmte Personengruppen gelten besondere Kündigungsverbote oder Zustimmungserfordernisse: Schwangere und Mütter nach der Entbindung (§ 17 MuSchG), Beschäftigte in Elternzeit (§ 18 BEEG) oder Pflegezeit, schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen (§ 168 SGB IX), Betriebsratsmitglieder, Auszubildende nach der Probezeit und Datenschutzbeauftragte. Teilen Sie eine Schwangerschaft, von der der Arbeitgeber nichts wusste, innerhalb von zwei Wochen nach Zugang der Kündigung mit. Auch in der Probezeit gibt es Grenzen – siehe Kündigung in der Probezeit.
Meldung bei der Agentur für Arbeit
Melden Sie sich spätestens drei Monate vor dem Ende des Arbeitsverhältnisses bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend; liegen zwischen Zugang der Kündigung und Beendigung weniger als drei Monate, innerhalb von drei Tagen nach Zugang (§ 38 SGB III). Eine verspätete Meldung kann zu einer Sperrzeit führen. Die Meldung ist keine Anerkennung der Kündigung und schadet einer Kündigungsschutzklage nicht.
Rechtliche Prüfung
Ob eine Kündigung wirksam ist, hängt von vielen Punkten ab: Form, Frist, Kündigungsberechtigung, Anhörung des Betriebsrats, Anwendbarkeit des Kündigungsschutzgesetzes (Wartezeit von sechs Monaten, Betriebsgröße), sozialer Rechtfertigung und Sonderkündigungsschutz. Eine anwaltliche Prüfung kann helfen, rechtliche Angriffspunkte, Fristen und Handlungsoptionen einzuordnen – auch die Frage, ob eine Weiterbeschäftigung oder eine Verhandlung über die Beendigung das Ziel ist. Unsere Leistungen rund um die Kündigung stehen auf der Seite Anwalt für Kündigung.
Drei-Wochen-Frist beachten
Die Klage muss innerhalb von drei Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung beim Arbeitsgericht eingegangen sein. Versäumen Sie die Frist, gilt die Kündigung als von Anfang an wirksam (§ 7 KSchG), selbst wenn sie fehlerhaft war; eine nachträgliche Zulassung kommt nur in engen Ausnahmefällen in Betracht (§ 5 KSchG). Die Frist gilt auch in Kleinbetrieben und während der Wartezeit. Wie das Verfahren abläuft, erklärt unser Beitrag zum Ablauf einer Kündigungsschutzklage.
Abfindung und Aufhebungsvertrag
Ein Anspruch auf eine Abfindung entsteht durch eine Kündigung nicht automatisch. Er kann sich aus Sozialplan, Tarif- oder Arbeitsvertrag oder aus § 1a KSchG ergeben; häufig wird eine Abfindung im Kündigungsschutzverfahren durch Vergleich vereinbart. Die Einzelheiten stehen im Beitrag Abfindung bei Kündigung. Bietet der Arbeitgeber statt der Kündigung einen Aufhebungsvertrag an, sollten Sie ihn vor der Unterschrift prüfen lassen – wegen Sperrzeit, Beendigungszeitpunkt, Freistellung und Zeugnis; siehe Aufhebungsvertrag.
Häufige Fragen nach einer Kündigung
Muss ich die Kündigung unterschreiben?
Nein. Eine Kündigung ist eine einseitige Erklärung des Arbeitgebers und wirkt ohne Ihre Unterschrift. Eine Empfangsbestätigung bestätigt nur den Zugang, sie ist keine Zustimmung. Unterschreiben Sie keine Erklärungen, deren Tragweite Sie nicht überblicken.
Muss ich bis zum Ende der Kündigungsfrist weiterarbeiten?
Grundsätzlich ja. Das Arbeitsverhältnis besteht bis zum Ablauf der Kündigungsfrist mit allen Rechten und Pflichten fort; eine Freistellung muss der Arbeitgeber erklären. Wer unentschuldigt fernbleibt, riskiert eine fristlose Kündigung und Nachteile beim Arbeitslosengeld.
Was gilt bei einer fristlosen Kündigung?
Auch gegen eine außerordentliche Kündigung gilt die Drei-Wochen-Frist. Sie setzt einen wichtigen Grund voraus und muss innerhalb von zwei Wochen ab Kenntnis des Kündigungsgrundes erklärt werden (§ 626 BGB). Melden Sie sich sofort bei der Agentur für Arbeit, weil das Arbeitsverhältnis mit Zugang endet.